Vorgeschichte des Slutwalk

Am 24.Januar 2011 kommentierte ein Vertreter der Polizei Torontos in Kanada namens Sanguinetti :
„Wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen, sollten Frauen darauf achten, nicht wie Schlampen angezogen zu sein .“
Diese Aussage impliziert eine Beschuldigung der Betroffenen von sexualisierter Gewalt auf Grund ihrer Art der Kleidung – nach dem Motto Selbst Schuld. Der Täter wird zu einem Hirnlosen und Trieb gesteuerten Wesen stilisiert, welches nicht anders kann als vergewaltigen beim Anblick knapper Bekleidung.
Um dem entgegen zu treten initiierten darauf einige Aktivistinnen und Aktivisten den Slutwalk in Toronto. Es wurde dazu aufgerufen gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungsmythen und Vergewaltigungsverharmlosung zu demonstrieren.
Seit her gab es weitere Slutwalks auf der ganzen Welt in verschiedenen Städten und es sind viele weitere in Planung. Beispiele für Städte sind: New York, Ottawa, Miami, Amsterdam, London, Sao Paolo, Matagalpa, Berlin, usw.
Von den Demonstrierenden wird hierbei häufig knappe Kleidung getragen, ganz nach dem Motto wir sind alle Schlampen. Wichtig ist jedoch, dass dies keine Voraussetzung ist um am Slutwalk teilzunehmen.
Vielmehr geht es darum sich so zeigen zu können wie man möchte und eine eigene Form der Demonstration zu entwickeln die entgegen einer Vereinheitlichung, Klischees und strickten Struktur statt findet.

 

Begriffe, Definitionen und Problematik

Vergewaltigungsmythos:Der Vergewaltigungsmythos zieht die Bagatelisierung und Verharmlosung einer Vergewaltigung nach sich.
Der Mythos basiert auf dem System der Zweigeschlechtlichkeit und der Differenzierung zwischen weiblicher und männlicher Sexualität, welcher besagt, dass die männliche Sexualität triebhaft und die weibliche Sexualität kontrolliert statt findet. Diese Differenzierung basiert auf gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen, welche auf die Trennung in biologisches und soziales Geschlecht zurück zu führen ist.
Gängige Vorstellung ist beispielsweise, dass eine Frau stets die Auslebung der Sexualität ihrer selbst und des Mannes kontrolliert. Der Mann steht unter den Zuschreibungen des immer und unkontrolliert Sex wollenden.

Er wird also – überspitzt gesagt – minütig von der Frau zurück gewiesen. Irgendwann kann er seinem Trieb nichts mehr entgegen setzen und vergeht sich an der Frau.

 

Zweigeschlechtlichkeit

basiert auf der gängigen Vorstellung von zwei Geschlechtern, nämlich von Mann und Frau.
Hierbei werden soziale Zuschreibungen und Eigenschaften, wie Stärke – Schwäche, Einfühlsam – Empathie-los, Laut – Leise, usw. auf das biologische Geschlecht zurück geführt.
Das biologische Geschlecht bezieht sich auf die unterschiedlichen Geschlechtsmerkmale des Körpers.
Das soziale Geschlecht stellt im System der Zweigeschlechtlichkeit gesellschaftlich und soziokulturell geprägte und konstruierte Zuschreibungen dar, die auf die zwei biologischen Geschlechter zurück geführt werden.
Hintergrund hierzu: Vor dem 18. Jahrhundert wurde der weiblich Körper als dem des Mannes ähnlich betrachtet. Das Geschlechtsorgan der Frau galt dem des Mannes gleich. Der Unterschied lag in der Ausrichtung. Das nach außen deutende Geschlechtsorgan beim Mann galt bei der Frau im Aufbau ähnlich und lediglich nach Innen gestülpt. Diese Sicht der Ähnlichkeit kennzeichnete auch die Sprache. So gibt es beispielsweise erst seit dem 19. Jahrhundert einen eigenen Begriff für die Eierstöcke der Frau. Zuvor galten sie als Äquivalent zu den Hoden des Mannes und trugen die selbe Bezeichnung. Hoden und Eierstöcke wurden beispielsweise als „didymoi“, was „Zwillinge“ bedeutet, bezeichnet. Bis zum 17. Jahrhundert gab es keinen Fachbegriff für die Vagina, denn sie wurde – wie bereits erwähnt – als nach Innen gestülpter Penis gesehen. Daher gab es keine differenzierende Benennung.
Seit dem späten 18. Jahrhundert wurden akribisch Unterschiede, die man zwischen Mann und Frau im sozialen Geschlecht sah, auch im biologischen gesucht. Man führte alles auf die Wissenschaft zurück und die Sprache änderte sich radikal. Für die beiden biologischen Geschlechter wurden deutlich unterscheidbare Begriffe gefunden und etabliert.

 

Sexualisierte Gewalt

Die Handlungsweisen eines jeden Menschen sind kulturell geprägt. Das System der Geschlechter beruht auf einer Polarisierung in Mann und Frau. Dieses System ist durch hierarchische und dominierende, sowie unterwürfige und ohnmächtige Handlungen geprägt. Es ist ein System der Ungleichheit, Differenz und Machtausübung.
Dies beinhaltet das Einzwängen in gesellschaftlich vorgegebene Handlungsweisen, wie Mann und Frau zu sein haben, aber auch die konkrete Verfolgung, Ahndung und Bestrafung von normen-abweichendem Handeln und Aussehen.
Sexualisierte Gewalt bezieht sich nicht nur auf Handlungen mit konkret sexuellem Hintergrund, wie Angraben, Antouchen usw., sondern auch auf Handlungsweisen, die eine Differenz und Hierarchie erzeugen auf der Basis des Systems der Geschlechter.

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